Inkasso in den Niederlanden

Die Niederlande entsprechen geographisch zwar nur etwa einem Neuntel der Fläche Deutschlands, wirtschaftlich zählen sie inzwischen zu den größten Exportnationen der Welt. Deutschland ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner, gefolgt von Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien und den Vereinigten Staaten.

Nach den krisenbedingten Einbrüchen der Wirtschaft hat in den Niederlanden seit 2010 ein Erholungsprozess eingesetzt. Die Zahlungsmoral hat sich wieder deutlich verbessert, dennoch wird jede dritte Rechnung zu spät oder gar nicht bezahlt.

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu folgenden Themen:

1. Außergerichtliches Inkasso
2. Gerichtliche Verfahrensweisen
    2.1: Die Insolvenzanfrage in den Niederlanden
    
2.2: Das Klageverfahren in den Niederlanden
    
2.3: Alternatives Verfahren: Verfahren in Deutschland
3. Pfändung in den Niederlanden
4. Einstweilige Anordnung in den Niederlanden
5. Zinsen und außergerichtliche Inkassokosten

1. Aussergerichtliches Inkasso

Niederländische Kunden zahlen häufig erst nach Erhalt diverser Erinnerungen und/oder Mahnungen. Oft wird die Zahlung auch verzögert geleistet, da angenommen wird, dass ein Gläubiger nicht unmittelbar ein Inkassoverfahren einleitet.

Üblicherweise wird zunächst versucht, rückständige Zahlungen im außergerichtlichen Inkassoverfahren einzutreiben.

In den Niederlanden werden Inkassoangelegenheiten durch Inkasso-Rechtsanwälte, Inkassobüros und Gerichtsvollzieher betreut. Eine Forderung von über € 25.000,00 dürfen jedoch nur Inkasso-Rechtsanwälte gerichtlich geltend machen oder ein Insolvenzverfahren gegen den Schuldner einleiten.

Die Insolvenzanfrage ist ein häufig verwendetes und effizientes Inkassomittel in den Niederlanden. Da niederländische Schuldner dies wissen, legen sie oft Briefe von Inkassobüros und Gerichtsvollziehern zur Seite, während Forderungen, die Inkasso-Rechtsanwälte geltend machen, oftmals außergerichtlich bezahlt werden. Daher sind Inkasso-Rechtsanwälte für Business-to-Business-Forderungen die zweckmäßigsten Inkassopartner.

2. Gerichtliche Verfahrensweisen

2.1: Die Insolvenzanfrage in den Niederlanden

In den Niederlanden ist die Insolvenzanfrage das erfolgreichste Inkasso-Instrument. Sie ist schnell, kostengünstig und liefert in einfacher Weise Einblick in die finanziellen Verhältnisse des Schuldners. Die Insolvenz eines Schuldners kann in den Niederlanden beantragt werden, ohne dass ein Urteil gegen den Schuldner vorliegt. Wie bereits erläutert, kann nurein Rechtsanwalt die Insolvenz eines Schuldners beantragen. Handelt es sich um eine unbestrittene Forderung, welche ein niederländischer Schuldner nach Mahnung nicht bezahlt hat, kann sofort eine Insolvenzanfrage eingelegt werden. Eine Insolvenzanfrage führt häufig dazu, dass ein Schuldner unmittelbar die offene Forderung begleicht. In der Folge kann der Insolvenzantrag wieder zurückgezogen werden.

Die Kosten der Insolvenzanfrage können in den meisten Fällen beim Schuldner geltend gemacht werden. Sofern ein Schuldner in Folge des Insolvenzantrages für insolvent erklärt wird, dann ist daraus zu erkennen, dass ein Klageverfahren gegen ihn auch nicht erfolgversprechend wäre. Die Kosten des Insolvenzantrags sind im Falle der Insolvenz vorrangige Kosten und werden aus diesem Grund auch oft von dem Insolvenzverwalter an den Antragsteller zurückbezahlt. Die Kosten eines Insolvenzprozesses sind deutlich niedriger, als die Kosten eines Klageverfahrens.

2.2: Klageverfahren in den Niederlanden

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Forderung in einem Klageverfahren geltend zu machen. Davon wird meist nur bei bestritten Forderungen Gebrauch gemacht. Nachdem ein niederländischer Schuldner vor Gericht geladen wurde, erhält er sechs Wochen Zeit, auf die Vorladung zu reagieren. Meistens macht ein Schuldner von dieser Möglichkeit auch Gebrauch. Im Anschluss wird das Gericht eine mündliche Verhandlung anberaumen, welche wiederum drei bis vier Monate später stattfindet.

In der Praxis läuft es darauf hinaus, dass die mündliche Verhandlung sechs bis acht Monate nach dem Klageantrag bzw. der Ladung stattfindet.

Sofern während der mündlichen Verhandlung keine Einigung erzielt werden kann, müssen die Parteien weiter prozessieren und eventuell werden noch weitere Zeugen angehört. In diesem Fall kann das Verfahren zwölf bis achtzehn Monate dauern.

2.3: Alternatives Verfahren: Gerichtsverfahren in Deutschland

Alternativ zu dem Gerichtsverfahren in den Niederlanden ist auch ein Vorgehen gegen den niederländischen Schuldner in Deutschland möglich:

Unter gewissen Voraussetzungen, beispielsweise bei einer Gerichtsstandsvereinbarung, kann gegen einen niederländischen Schuldner auch direkt in Deutschland vorgegangen werden. Die Bierens Incasso Advocaten können beurteilen, ob eine solche Vorgehensweise in Deutschland möglich ist, und in welcher Weise Sie davon profitieren können.

Ihre Vorteile sind dabei gleichzeitig als Nachteil für den Schuldner anzusehen. Dazu zählen unter anderem die räumliche Distanz des Schuldners zu dem deutschen Gericht, die mangelnde Kenntnis von Sprache und anwendbarem Recht sowie der prozessualen Abläufe.

Ihr wesentlicher Vorteil bei Einschaltung der Bierens Incasso Advocaten ist, dass in unserer Kanzlei sowohl deutsche als auch niederländische Rechtsanwälte tätig sind, die im Einzelfall Ihre Forderung in beiden Ländern geltend machen können und für Sie stets die günstigste Lösung erarbeiten.

3. Pfändung in den Niederlanden

In den Niederlanden kann gepfändet werden, ohne dass ein Urteil gegen den Schuldner vorliegt. Eine Pfändung kann somit sehr schnell durchgeführt werden. Im Anschluss daran muss innerhalb von 30 Tagen ein Gerichtsverfahren gestartet werden. Ergeht ein entsprechendes Urteil, kann in das Vermögen des Schuldners vollstreckt werden. Wird ein Schuldner für insolvent erklärt, werden alle Pfändungen unwirksam.

Sofern ein positives Urteil ergeht und der Schuldner der Verpflichtung daraus nicht nachkommt, wird oftmals die Insolvenzanfrage der Vollstreckung durch den Gerichtsvollzieher vorgezogen.

4. Einstweilige Anordnung in den Niederlanden

In eiligen Fällen kann eine einstweilige Anordnung gegen den Schuldner beantragt werden. Der zuständige Richter wird dann damit beauftragt, eine einstweilige Anordnung auszusprechen, die einem endgültigen Urteil in einem Gerichtsverfahren vorausgeht. In den meisten Fällen halten sich die Parteien an die einstweilige Anordnung des Richters, sodass kein Gerichtsverfahren mehr geführt werden muss. Bei Inkassoangelegenheiten ist es jedoch nur in Ausnahmefällen möglich, eine einstweilige Anordnung zu erwirken. Dies kann nur dann stattfinden, wenn der Schuldner sich in schwierigen finanziellen Verhältnissen befindet und ein weiterer Zeitverzug nicht akzeptiert werden kann.

5. Zinsen und aussergerichtliche Inkassokosten

In den Niederlanden ist  ein Schuldner verpflichtet, die vertraglich vereinbarten Zinsen oder die sich aus den allgemeinen Geschäftsbedingungen ergebenden Zinsen zu bezahlen. Weiterhin ist ein Schuldner in den Niederlanden verpflichtet, außergerichtliche Inkassokosten nach einer degressiven Staffel zu entrichten. Viele Inkassounternehmen sind bereit, diese Kosten auf ihre eigene Rechnung und ihr eigenes Risiko vom Schuldner einzutreiben. Bierens Incasso Advocaten bietet dies als Inkassoservice an.

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